Semlow Ortschronik
Wappen der Grafen Behr von Negendank

Auszug aus der Ortschronik der Gemeinde Semlow. Erstellt  von unserem Ortschronisten und Lehrer a.D.


Eberhard Kell


 


 

 

Das heutige Mecklenburg, eingeschlossen natürlich auch das Gebiet in und um Semlow, war nicht immer deutsches Land. Während der Völkerwanderung zogen viele germanische Stämme im 6.Jahrhundert teils west-, teils südwärts, und die Slawen rückten nach.  So lebten bis zur Mitte des 12.Jahrhunderts in unserem Gebiet die Liutizen, ein sla­wischer Volksstamm.  Diese Jahrhunderte waren geprägt von vielen Stammeskämpfen und Kriegen der Slawen untereinander, aber auch gegen die Germanen und Dänen. Erst mit dem Einzug des damaligen Sachsenherzogs Heinrich des Löwen kam es zur Germanisierung unseres Landesteils.

Heinrich der Löwe vergab das geraubte Land an seine Ritter als Lehen. Es begann eine starke Siedlungstätigkeit.  Möglicherweise ist im Zuge dieser Germanisierung auch das Gut Semlow entstanden.  Aus einer Urkunde, die nachstehend abgedruckt ist, geht hervor, dass es den Ort Semlow schon im Jahre 1320 gegeben haben muss.  Es handelt sich hierbei nicht um eine eventuelle Gründungsurkunde, aber erstmals wird der Name Semlow urkundlich erwähnt.  In dieser Urkunde verpfändeten der Ritter Heinrich von Thun und seine Söhne Heinrich und Segeband dem Ritter Nikolaus + Schriver (Schreiber ?) für

1000 Mark eine Rente von 100 Mark aus ihren Gütern zu Schlemmin, Semlow und Zornow.

 + Lisch spricht von H e i n r i c h   Schriver, aber die Schreibung in der Urkunde ist eindeutig

Urkundenabschrift

Nos Hinricus Tun, miles, necnon Hinricus et Seghe­bandus, dilecti filii nostri, recognoscimus lucide protestantes, nos dimisisse et vendidisse honesto militi domino Nicolao Scrivere suisque veris heredi­bus centum marcarum redditus pro mille marcis ex parte domini Reymari de Wedele in bonis nostris vi­delicet Slemyn, S e m e 1 o w e  et Sarnowe cum omni iusticia et utilitate, secut in terminis dictarum villarum continetur,  et cum omni libertate, sicut nos usque huc possedimus, tali condicione, quod nos et nostri heredes possumus dictos redditus reemere pro marcis infra hinc et crastinum beati Nicolay proximo venturum, et dictas mille marcas debemos domino Nicolao vel suis heredibus in civitate Sundis persolvere et erogare, ita tamein, quod dominus Nico­laus et sui heredes veri dictos centum marcarum redditus in festo Martini proximo in dictis bonis sunt recepturi, omni inpedimento procul moto. Si autem, quod absit, dicti redditus per nos vel per nostros filios infra hinc et crastinum beati Nycolai iam dicti non fuerint reempti vel liberate, tunc dominus Nicolaus et sui heredes dictos redditus in dictis bonis pro eorum insta empcione in perpetuum optinebunt, nec nos ant aliquis nostrum vel heredum nostorum dictum dominum Nicolaum vel sous heredes in dictis bonis amplius inpetere habeat vel gravare.  Si vero, quod deus avertat., quisquam dicta bona infra diem et annum post festum Nicolai iam dicti inpetere presumpserit, hoc nos debemus discutere et ab omnibus inpedentibus volumes liberare.  In cuius rei testimo­nium sigilla nostra presentibus appensa.

D a t u m  S u n d i s  a n n o  d o m i n i   m i 1 1 e s i m o CCC o   v i c e s i m o, feria tercia post festum beati Viti martyrus.

(Hervorhebungen durch den Autor)

Diese Urkunde entstammt dem „Copeibuche des Füstenthums Rügen":

Codex Rugianus, Urk.  Nr.  XXXIX,

Pommersches Provinzial-Archiv zu Stettin,

Sie ist enthalten in den „Matrikelkarten von Vorpommern, 1692 - 1698 " unter der Nr. 3372.

1320 Juni 17 Stralsund.

Der Name „Semlow" kommt aus dem Wendischen und soll nach alter Überlieferung "Neues Brot" oder "Neue Heimat" bedeuten, wobei ich geneigt bin, mehr der zweiten Bedeu­tung zuzustimmen zumal der Name Ähnlichkeit hat mit dem heutigen russischen Wort „zemlja“ (dt. „Erde“). Es ist denk­bar, dass sich irgendwann zwischen 600 und 1200 u.Z. ein slawischer Siedler auf unserem Territorium niederließ und diesen Ort so benannte.  Es bietet sich aber auch an, dass  „Semlow" entstanden ist aus dem slawischen Zunamen Ziemla, Diese Art der Benennung von Orten war im Slawischen üblich.

In den Urkunden und Schriften hat der Name Semlow die ver­schiedensten Schreibweisen.  So finden wir z.B. in einem Brief an den Knappen Hennecke Bere aus dem Jahre 1445 folgende Schreibart: "Deine duchtigen Knapen Henneke Beren, wonaftig to Semelaw by Damgarden belegen, unde sinen vrunden." Andere Formen waren: Szemmelowe, Semmelouwe,Semmelow(e), Semmelouve oder Zemelouve.  Der Name Semlow existierte schon früher als 1320.  Bei Klempin-Kratz lesen wir in einem Ver­zeichnis der Pommerschen Ritterschaft nachfolgenden Vermerk: „207. von Semmelow Die älteste der Patrizierfamilien Stralsunds, welche nach dem Orte Semmelow bei Tribsees den Namen annahm. Schon 1256 gehörten dies Brüder Heinricus und Johannes de Zemelouwe dem Stralsunder Rath an.  Sie erwarb eben­falls, wie andere Patrizierfamilien, Lehnbesitz". In einer handschriftlichen Zusammenstellung der Senatoren des Stralsunder Rates ist unter Anno1280 "Herr Ludo wg de Semelow" angegeben.  Inwieweit die Erwähnung des Namens Semlow in den beiden letzten Schriften im Zusammenhang steht mit dem Vorhandensein des Ortes Semlow vor 1320, lässt sich nicht nachweisen, ist aber vorstellbar.  Trotzdem schlage ich vor, das Jahr

MCCCXX

( 1320 )

als Grundlage für die Altersangabe des Dorfes Semlow zu nehmen, weil die eindeutigste Angabe über die Existenz von Semlow der Urkundenabschrift  dieser Chro­nik zu entnehmen ist.

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www.eixen.de